đťź» Was es mit Hilde und dem Gendern auf sich hat
Hilde ist mittlerweile deutlich größer, pupertärer und entsprechend weißer als Wilma - aber sie ist auf dem besten Weg, alles aufzuholen.
Die Enten haben sich nach ihrer Genesung hochmotiviert auf Erkundungstour in unserem Garten gemacht.
Es war toll fĂĽr beide, sich durch die ganzen BĂĽsche zu schlagen und im Laub nach Krabbeltieren zu suchen. Zunehmend verlieĂźen sie ihr Entenhausen und erweiterten ihren Erlebnishorizont, genau wie Teenager das tun.
Uns wurde bereits beim Einzug der Enten gesagt, dass sie während ihrer Pubertät nicht zu den Schönheiten gehören würden. Man sieht im Video was damit gemeint war.

Aber die Pubertät zeigte sich bei Hilde auch anders: Nicht in ihrem Verhalten, sondern in ihren Äußerungen. Zwischen dem ganzen Kükengeschnatter tauchten hin und wieder neue Töne auf. Tiefe Töne!
Erpel, also männliche Enten, geben tiefe Töne von sich. Allerdings war bei Hilde keine Erpellocke zu sehen. Ente oder Erpel - die Frage bleibt offen. Dazu kommen mir folgende Gedanken:
Es ist gesellschaftlich nicht nur akzeptiert, sondern auch gewollt, dass sich bereits Kinder und Teenager damit auseinandersetzen, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Sie sollen ermuntert werden, sich verschieden auszuprobieren.
Menschen dürfen sich frei entscheiden, ob sie sich als Mann oder als Frau fühlen. Und diese Entscheidung ist dann auch nicht in Stein gemeißelt. Dinge ändern sich eben – und genauso auch Empfindungen.
Wenn jeder Mensch sein kann wie er oder sie will, und entsprechend seinen Namen ändern kann, dann lasse ich die Frage mal offen, ob Hilde ganz ohne Formalitäten Hilde bleiben darf – oder doch Hilbrecht wird. Und beim Geschlecht sind wir uns ja auch noch nicht ganz sicher.
Ich denke nicht, dass sich Hilde darüber Gedanken gemacht hat, ob sie ein Er oder er eine Sie sein möchte oder sein würde. Diese Gedanken machen sich wohl eher die Menschen. Ich bin keine Enten-Fachfrau. Aber ich vermute, einem Erpel ist sein Geschlecht nicht ganz schnuppe. Zumindest nicht dann, wenn er friedlich mit einem weiteren Erpel und einer Ente zusammenleben sollte – da wäre Streit vorprogrammiert – das haben mir Entenexperten glaubhaft versichert!
Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass einem Erpel sein Name egal ist. Also bleiben wir bei Hilde? Die „wilde Hilde“ passt einfach so gut zu ihm.
Wer immer wir Leser, Denker, oder Entenfreunde auch sind. Egal, welches Geschlecht wir haben oder meinen, es haben zu mĂĽssen.
In einem beliebten christlichen Buch steht, dass Gott jeden Menschen liebt, weil oder trotzdem er so ist, wie er ist – natürlich auch sie. Wir dürfen und sollen einfach so sein, wie wir sind, wir brauchen uns nicht zu verstellen. Die Aussage ist verrückt, oder nicht?
Aber es gibt auch andere Seiten der Enten:
Die "Wilde Hilde" war auch kuschellaunig!

Das waren jetzt viele Gedanken zu Hilde, aber Wilma gibt es auch noch:
Bei ihr war die Pubertät noch nicht soweit vorangeschritten. Bis auf ein paar weiße Federn bemerkten wir noch keine Veränderung.
Wilma war ebenso sehr kuschellaunig wie Hilde und lieĂź sich gerne am Bauch kraulen, wobei sie manchmal sogar einschlief. Diese Momente waren nicht nur fĂĽr Wilma erfreulich, sondern auch fĂĽr uns!

Auch wenn die Enten gerne durch unseren Garten streiften, abends holten wir sie immer zurĂĽck nach Entenhausen. Ob der Zaun um das Gatter herum nun wirklich Sicherheit vor Gefahren bieten konnte, bezweifel ich - aber immerhin gab er ein GefĂĽhl von Sicherheit.
Ein Gefühl der Unsicherheit überkam mich jedoch an einem Mittwochabend, als die Enten plötzlich verschwunden waren. Unser Garten ist nicht wirklich klein, aber auch nicht so groß, dass die Enten einfach darin „verschwinden“ konnten. Aber definitiv waren sie „weg“. Ich hatte Glück, dass an jenem Abend wenigstens meine Tochter zuhause war, die mir beim Suchen helfen konnte. Es war bereits 23:00 Uhr und entsprechend dunkel.
So sind wir zwei nun (im Regen) mit Taschenlampe durch den Garten gelaufen, haben die Büsche und das Laub durchsucht – keine Ente da. Die Stimmung sank immer weiter.
Ich hatte die Idee, die Perspektive zu wechseln und lief zum GrundstĂĽck unserer Nachbarin, mit der wir uns richtig gut verstehen, um den Zaun, der beide GrundstĂĽcke trennt, von ihrer Seite einzusehen.
Zufällig traf ich sie im Regen um diese späte Stunde draußen – und äußerst motiviert wollte sie sich unserer Suche anschließen. Das war eine hochgradig interessante Situation, weil unsere Nachbarin blind ist. Viel sehen konnten meine Tochter und ich allerdings auch nicht, aber unsere Nachbarin hat sich auf ihr Gehör verlassen und uns entsprechend dorthin geleitet, wo sie meinte, ein Rascheln zu hören. Tatsächlich lagen die Enten unter dem Laub, direkt am Zaun – von uns aus gesehen hinterm Busch. Von unserer Seite des Gartens wären wir nur sehr mühselig dorthin gekommen, aber aus der Nachbarperspektive war es nur ein kurzes Über-den-Zaun-Klettern. „Kurz“ meint hier allerdings nicht mühelos! Der Busch war nicht gerade besucherfreundlich, sodass ich nicht nur jede Ente einzeln aus ihrem Versteck holen musste, sondern mit Schürfwunden und Kratzern wieder aus dem Busch kam.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unsere Nachbarin!
Wir haben die Enten in ihr Gehege gebracht und sind zurück ins Haus gegangen. Genau in dem Moment, als wir klatschnaß und mit Schürf- und Kratzwunden an den Armen und im Gesicht ins Haus kamen, kam mein Mann nach Hause. Seinen erstaunten und ungläubigen Blick auf uns könnt Ihr euch sicher vorstellen...
Übrigens ist Wilma diejenige, die bei den Beiden zurzeit den Hut aufhat – auch, wenn sie viel kleiner ist. Gewisse Zungen behaupten, dass es immer mehr zum modernen Rollenverständnis gehört, dass die Frau, nicht der Mann den Hut aufhat. Aber, wer weiß schon, ob Wilma SIE oder ER ist. Ob Wilma Wilma bleibt, ist abzuwarten.
In diesem Sinne: En(t)de wird gut, alles gut