đťźş Entennotfall
– Ein Wäschekorb voller Hoffnung
Dieser Blogeintrag ist von meiner Tochter verfasst...
… Ende Juli sind meine Eltern für zwei Wochen in den Urlaub gefahren, und ich habe das Haus, die Katze und die Enten gehütet – soweit erstmal kein Problem.
Zu dem Zeitpunkt hatten wir zwei fast erwachsene Enten – Lieschen und Ernie – und unsere drei Wochen alte Küken, Hilde und Wilma.
Beginne ich mal mit dem ersten Tag sturmfrei…
Sonntag. Im Gottesdienst wurde ich angesprochen, dass mein Musikteam folgende Woche mit der Musikbegleitung dran ist – was ich natürlich (nicht) auf dem Schirm hatte. Aber ich war nicht die Einzige, was einerseits erleichternd war, andererseits dazu führte, dass außer mir niemand Zeit hatte.
Ich würde also alleine spielen – bis dahin für mich soweit auch kein Problem.
Mittwoch kamen Freundinnen vorbei, und ich stellte ihnen unsere Küken vor. Dabei stellten wir fest, dass Wilma ihre Augen nicht aufmacht. Mein erster Gedanke war, dass sie bestimmt nur eine Bindehautentzündung oder ähnliches hat.
Am nächsten Morgen musste ich zu einem sehr unangenehmen Arzttermin, was meine Energie für die Woche schon ziemlich aufgebraucht hat.
Die Besonderheit an diesem Tag war, dass mein Vater abends aus dem Urlaub, sprich Italien, wiedergekommen ist, um auf eine Beerdigung zu gehen.
(Unsere damalige Nachbarin, zu der meine Eltern ein sehr enges Verhältnis hatten, ist verstorben, also war die Fahrerei dieses Mal schon eher gerechtfertigt...). Als er Wilma gesehen hat, meinte er, die Ente sehe nicht gut aus, und fragte, ob ich mit ihr nicht lieber zum Tierarzt gehen wolle. Als er meine Befürchtung bestätigte, dass es nicht normal ist, dass die kleine Ente nicht wächst und ungewöhnlich ruhig ist, wurde mir klar – jetzt gab es ein Problem.
Mit dem Segen von Papa – dass ich mit einer Ente zum Tierarzt fahren darf, habe ich mich am nächsten Morgen durch ganz Bünde telefoniert, um einen Tierarzt zu finden, der eine Ente behandeln kann. Schlussendlich wurde ich nach Lübbecke geschickt, wo eine Tierärztin glücklicherweise noch Zeit für meinen Entennotfall hatte.
Für die Autofahrt habe ich mich gegen die Katzen-Transportbox entschieden, da Mama und ich wortwörtlich bereits eine sehr beschissene Erfahrung mit Lieschen und Ernie in der Box gemacht haben, aber das ist eine andere Geschichte…
Nun, ich bin also mit den beiden Küken (Hilde sollte nicht allein Zuhause bleiben), Essen und Trinken im Wäschekorb nach Lübbecke gedüst. Leider sind Enten sehr schmuddelig, sodass eventuell nicht nur die Enten nach dem Ausflug duschen konnten.
Beim Arzt angekommen, habe ich schon an den Reaktionen gemerkt, dass außer mir wohl nicht allzu viele Leute mit ihren Enten vorbeikommen…
Auf jeden Fall haben die beiden viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und es gab einige Niedlichkeitsbekundungen.

Bei der Untersuchung meinte die Tierärztin, sie wisse leider nicht, ob Wilma es schafft. Sie wüsste nicht so ganz, was los sei, weshalb ich ihr erstmal Medikamente gegen alles Mögliche geben sollte.

So bin ich dann mit dem Anti-Wurmmittel und Antibiotika nach Hause gefahren, habe Papa noch kurz verabschiedet, der wieder zurĂĽck in den Urlaub gefahren ist, und versucht, Wilma die Mittel zu verabreichen.
Abends war ich schließlich ziemlich fertig mit den Nerven, und Wilma beim Kranksein zuzuschauen, hat nicht wirklich geholfen. Wilma hat sich kaum noch bewegt und hat ziemlich viel gefiept, was sich für mich definitiv wie Weinen anhörte. Das war schwer mit anzusehen.
Da ich allein Zuhause war und mich mit der Situation ziemlich ĂĽberfordert gefĂĽhlt habe, hatte ich Mama am Telefon, um im Worst-Case-Szenario zumindest nicht ganz allein zu sein. Mein groĂźer Bruder, der auch in BĂĽnde wohnt, konnte mir nicht helfen, weil er zu der Zeit selbst fĂĽr drei Wochen im Sommerlager war.
Ich hab Jesus gebeten, dass diese Ente nicht stirbt – vor Allem nicht, solange die Verantwortung und Entscheidungen nur bei mir liegen.
In den Momenten, wenn sich Wilma reglos und längs ausgestreckt hat, sah ich mich im inneren Auge schon am nächsten Morgen mit der Ente im Karton im Garten stehen, wie ich sie beerdige.
Da Mama am anderen Ende der Leitung auch schon aufgelöst war – woran ich zugegebenermaßen nicht ganz unbeteiligt war – hat sie ihre Freundin angerufen und sie gebeten, mir zu helfen. Sie hatte selbst Enten und kannte sich etwas damit aus.
Hier nochmal ein groĂźes Danke an Sandra :)
Ich war sehr froh, dass Sandra mir etwas Mut machen konnte. Sie fand, dass Wilma noch fit genug aussah, um die Nacht zu ĂĽberstehen.
Da ich sowieso nicht schlafen konnte, stand ich also alle paar Stunden auf, um Wilma Futter in den Schnabel zu schĂĽtten, da sie von allein nichts mehr gefressen hat.
Zumindest hätte ich dann reinen Gewissens sagen können, dass ich alles versucht habe und sie zumindest nicht an Eergiemangel gestorben ist.
Aber Gott sei Dank war sie Samstag noch am Leben und hat sich im Laufe des Wochenendes langsam erholt.
Das konnte ich dann am folgenden Sonntag direkt im Gottesdienst erzählen, und beim anschließenden Kirchkaffee bot mir eine Bekannte eine Rotlichtlampe an, damit die Küken mehr Wärme bekommen.
Am Nachmittag kam meine Schwester aus Münster, um mir bei den Küken zu helfen – erwähnenswert ist hier, dass mein kleiner Bruder (der auch mit im Urlaub war) es nicht haben konnte, dass ich allein bin mit dieser Situation, so dass nicht ich, sondern er unsere Schwester herbestellte. Meine Eltern haben davon auch nichts mitbekommen.
Ich konnte sie aber auch gut gebrauchen – denn abends wurde Hilde plötzlich auch krank und robbte ebenfalls nur noch vor sich hin. An dem Abend habe ich kurz darüber nachgedacht, ob Jesus mich veräppeln will.
Im Nachhinein fühlte es sich jedoch so an, als wäre es eine zweite Chance gewesen, Jesus einfach zu vertrauen. Hilde hat schließlich das gleiche Antibiotikum wie Wilma bekommen und war schnell wieder gesund.
Auch wenn es hier „nur“ um Enten ging, hat es mir geholfen zu sehen, dass Gott eingreifen kann und Gebete erhört. Am Ende kann man sich immer fragen, warum die beiden überhaupt krank geworden sind und warum das ausgerechnet dann sein musste, als ich allein war. Aber mir persönlich hat es auch viel gegeben – und damit will ich nicht sagen „war doch nicht so schlimm" oder die Situation rückblickend klein reden.
In den letzten Monaten hat mich die Frage beschäftigt, wie man Gott vertrauen kann, wenn es keine Garantie dafür gibt, dass "alles" gut ausgeht. Eine klare Antwort habe ich zwar immer noch nicht, aber Gott hat in diesem Fall alles gut werden lassen und mir die Hilfe gegeben, die ich brauchte. Der Gedanke, dass nichts einfach willkürlich passiert, schenk mir persönlich Mut zum Vertrauen –nicht ohne Grund gibt es in einem bekannten christlichen Buch den Vers: "Ich glaube; hilf meinem Unglauben" (Mk 9,24).
Mit diesem Satz möchte ich diesen Blog hier auch beenden.
Ente gut, Ende gut – würd ich mal sagen!