8. Noch mehr Veränderungen
Der Tierarztbesuch von Wilma war glücklicherweise gut ausgegangen. Vielleicht ein bisschen kurios, aber gesund! Doch etwas anderes wurde von der Tierärztin entdeckt: Die Schwanzfeder von Wilma hatte sich eindeutig gelockt. Da war sie: Die Erpellocke!
Und wieder wurde ich mit einer mittlerweile altbekannten Problematik konfrontiert: Darf Wilma weiterhin Wilma heißen? Hilde blieb ja auch Hilde. Zugegeben, zwischendurch hatten wir Zweifel – vielleicht war Hilde ja doch eine „Sie“, denn die Tierärztin hatte bei unserem Besuch, wir konnten Hilde ja nicht allein Zuhause lassen, wenn wir mit Wilma zum Arzt waren, bei ihr keine Erpellocke gesehen. Wir hatten ja nur die tiefen RAP-Laute als unprofessionelles Diagnosewerkzeug zur Verfügung. Was war Hilde nun? Aber egal!
Was Wilma anging, war sich die Tierärztin jedoch sicher: Sie ist ein Erpel.
Wir waren wieder voll in die Genderproblematik eingetaucht – es ging um Wilmas Namen. Es gab große und laute Diskussionen, ob Wilm oder Wilma oder vielleicht etwas ganz anderes. Letztlich blieb es doch bei Wilm, egal, wie sie – die Ente – oder er, der Erpel, nun hieß. Unsere Ente hatte nur das „a“ verloren.
Jetzt kommt schon wieder eine Gedankenschleife.
Worüber definieren wir uns? Über unser Geschlecht? Über unseren Namen? Wissen wir, welche Bedeutung unser Name hat? Oder ob unsere Namensgeber den Namen aufgrund einer bestimmten Bedeutung, des schönen Klangs oder anderer Assoziationen gewählt haben? Bestimmt unser Name unsere Identität?
In einem bekannten christlichen Buch steht, dass Gott alle unsere Namen aufgeschrieben hat. Und dass Gott uns bei unserem Namen ruft und uns hilft. Das bedeutet, dass er uns sieht und kennt und wir ihm wichtig sind. In ihm haben wir unsere Identität!
Dieser Gedanke bereichert mich persönlich wesentlich mehr als die Frage, ob der Name dem Geschlecht der Ente angepasst werden muss oder das Geschlecht dem Namen. Unsere Ente heißt jetzt Wilm – eine demokratische Abstimmung innerhalb der Familie. Und obwohl ich mich daran gewöhnen musste von nun an den Namen Wilm zu benutzen, bleibt er unsere Ente.