18. Von Schnattern, Schweigen und wirklichem Zuhören

18. Von Schnattern, Schweigen und wirklichem Zuhören

Was erzählen sich eigentlich unsere beiden Enten?

Es ist abends, wir sitzen auf der Terrasse, und es ist noch angenehm warm draußen. Hilde kuschelt gerne! Sie drückt ihren Kopf an die Wange oder streckt ihren Hals an unserem Kopf entlang, ganz nah und vertraut. Wilm dagegen hat es sich wie selbstverständlich auf meinem Schoß gemütlich gemacht, ruhig und entspannt, als gehöre er genau dorthin.

Plötzlich beginnen beide leise zu schnattern. Es klingt fast wie eine Unterhaltung zwischen Menschen: mal schnattern sie gleichzeitig, mal abwechselnd – fast so, als ob sie merken, dass man sich nicht versteht, wenn beide durcheinanderreden. Irgendwann hält Wilm mit dem Geschnatter inne und lauscht still, während Hilde weiterschnattert.

Dann, wieder ganz plötzlich, wechselt ihre Tonlage – so, als ob sie sich ganz genau abgesprochen hätten. Aus dem hellen „Nack-Nack“ wird ein tiefes „Raap-Raap“. Dieses tiefere Schnattern klingt eher wie ein Rufen. Dabei strecken sie ihre Hälse abwechselnd hoch und wieder herunter, in einem gleichmäßigen Rhythmus. Dieses „Ritual“ haben wir schon öfter bei den Enten beobachtet. Was sie sich damit erzählen wollen, haben wir noch nicht verstanden. Aber die Enten scheinen sich zu verstehen.

Eine Dreiviertelstunde sitzen sie so gemütlich bei uns, dann – auf einmal – werden beide unruhig und wollen runter. Wir vermuten, dass sie Durst haben. Und tatsächlich: Ohne jede Absprache watscheln sie zielstrebig zu ihrem Wasser. Es wirkt, als hätten sie sich wortlos vollkommen verstanden.

Während ich ihnen so zuschaue, merke ich, wie mein Gedankenkarussell Fahrt aufnimmt – Gedanken darüber, wie wir Menschen eigentlich miteinander reden.

Sprechen – aber wie?

Wir Menschen reden viel. Oft zu viel. Und nicht selten gleichzeitig. Wir wollen gehört werden. Manches erscheint uns so wichtig, dass wir es nicht abwarten können, bis unser Gegenüber wirklich zuhört.

Häufig sprechen wir mit dem "Kopf". Wir überlegen, was logisch klingt. Wir wägen Argumente ab. Wir wollen erklären oder recht haben.

Und wenn wir dann auch noch gleichzeitig reden, ist es nicht einmal „Sprechen mit dem Kopf“, sondern eher:
Sprechen mit dem Kopf durch die Wand.
Das schafft keine Nähe.

Aus dem Herzen sprechen

Aus dem Herzen zu reden ist anders. Dann geht es nicht nur um Worte oder Argumente, sondern um Beziehung.
Ich spreche, weil du mir wichtig bist. Ich höre dir wirklich zu. Ich antworte nicht nur, sondern will dich verstehen.

Herzenssprache lebt von Wertschätzung. Wenn ich dich ernst nehme und du mir wichtig bist, klingen meine Worte anders – ehrlicher, aufmerksamer, liebevoller vielleicht.

Weisheit aus einem bekannten christlichen Buch

Ein Gedanke aus einem bekannten christlichen Buch begleitet mich oft: Alles hat seine Zeit. Auch das Schweigen – und das Reden.

Wie oft neigen wir dazu, sofort auf etwas zu reagieren. Doch manchmal ist es klüger, sich Zeit zu lassen. Wenn man zum Beispiel wütend ist, lohnt es sich zu warten, bis sich die Emotionen etwas gelegt haben – anstatt verletzende Worte zu sagen, die man später bereut. Und wenn jemand einen Fehler einsieht und ehrlich bereut, muss man ihm nicht vorhalten, dass man es ja schon vorher besser wusste.

Schweigen fällt uns besonders schwer, wenn jemandem etwas Schlimmes widerfahren ist. Es ist schwer, diesen Schmerz schweigend mitzutragen. Schnell fängt man an, über irgendetwas zu reden, nur um diese Stille und Hilflosigkeit zu überspielen. Doch dem anderen ist mit diesen Worten selten geholfen. Manchmal ist es viel tröstlicher, einfach still da zu sein.

Ein achtsamer Blick, eine liebevolle Geste oder gemeinsames Schweigen können Nähe schaffen – oft sogar mehr als viele Worte.
Schweigen kann außerdem bedeuten, auszuhalten, dass jemand anders denkt als ich. Keine Kommentare abzugeben. Nicht überall seinen Senf dazuzugeben. Einfach mal still zu sein.

Ein Gedanke für heute

Wilm und Hilde haben mich an diesem Abend daran erinnert, wie wertvoll gutes Zuhören ist: Mit dem Herzen sprechen, wirklich hinhören – und sich bewusst machen, dass Schweigen manchmal mehr sagt als tausend Worte.
Hilde und Wilm waren sich jedenfalls einig, dass sie genau jetzt Durst hatten und losmarschieren wollten.