17. Von Enten, einem Hormonchip – und der Frage, was sich wirklich ändern muss
Manchmal glauben wir, eine schnelle Lösung hätte alles im Griff – bei Menschen wie bei Enten. Doch oft sieht die Sache von innen ganz anders aus als von außen.
Plötzliche Stille im Garten
In unserem kleinen „Entenhausen“ war es plötzlich still – fast unheimlich still.
Wilm, unser quirliger Erpel mit ordentlich Temperament, hatte einen Hormonchip bekommen, der eigentlich drei bis vier Monate wirken sollte.
Bis dahin war er ziemlich „liebestoll“ und gelegentlich auch ruppig – gegenüber Hilde, unserem zweiten Erpel, und manchmal sogar uns gegenüber. Doch nur zwei Tage nach dem Chip-Einsatz war er wie verwandelt: ruhig, zurückhaltend, fast sanft.
Wenn einer vorangeht – und der andere folgt
Hilde, wie immer loyal, passte sich sofort an. Normalerweise lief sie ihm auf Schritt und Tritt hinterher. Spielte er mit meinem Sohn Fußball, war sie voller Begeisterung dabei.
Doch jetzt, wo Wilm nur noch still am Rand saß, tat Hilde es ihm gleich. Selbst ihr sonst so hingebungsvolles Schuhe-Anknabbern wurde seltener. Wilm schnatterte kaum noch – und Hilde wurde ebenso leise.
Unsere blinde Nachbarin fragte mich besorgt, ob wir die Enten weggegeben hätten, weil sie nichts mehr gehört hat.

Erst angenehm, dann zu still
Zuerst genossen wir die Ruhe: kein schmerzhaftes Knabbern mehr, keine vorsichtigen Ausweichmanöver, wenn man barfuß in den Garten wollte.
Doch bald merkten wir: Uns fehlte etwas. Das fröhliche Hinterherlaufen. Das neugierige Schnabelstupsen. Diese kleine Portion Chaos, die den Garten lebendig machte.
Mit Wilms Temperament war auch ein Stück Lebendigkeit verschwunden.
Zurück in alte Muster
Die Stille hielt nicht lange. Schon nach vier Wochen – viel früher als gedacht – war Wilm wieder der Alte. Er stolzierte, schnatterte und knabberte wieder so temperamentvoll wie vor dem Chip – Aua.
Da fiel mir auf, wie ähnlich wir Menschen manchmal sind.
Dieser Chip hatte nur das äußere Verhalten verändert – und das auch nur für kurze Zeit. Innerlich war Wilm derselbe temperamentvolle Erpel geblieben. Und als die Wirkung des Chip nachließ, kam alles zurück, was vorher da war.
Wir verändern oft an unserer „Oberfläche“ etwas, das uns selbst nicht gefällt – probieren einen neuen Stil aus, lassen uns eine neue Frisur schneiden, starten eine Diät oder anderes. Manchmal investieren wir in Ratgeber, Coachings oder Kurse, um uns zu „optimieren“ – und spüren vielleicht eine Zeit lang einen Unterschied.
Doch der innere Schweinehund ist zäh, die Ausreden schnell gefunden – und oft landen wir dort, wo wir angefangen haben. Genau wie Wilm.

Muss wirklich alles anders werden?
Die Frage ist: Muss ich überhaupt alles ändern, was mir an mir selbst nicht gefällt?
Ein bekanntes christliches Buch erinnert daran: Echte, bleibende Veränderung beginnt im Herzen – und sie ist nichts, was wir allein schaffen müssen. Gott selbst wirkt in uns, wenn wir uns ihm öffnen.
Diese Herzensveränderungen geschehen leise und oft unbemerkt – mit dem Ziel, dass wir Jesus ähnlicher werden: geduldiger, liebevoller, freundlicher, treuer, friedvoller.
Was für Gott wirklich zählt
Gott schaut nicht zuerst auf unser Äußeres – nicht auf unsere Kleidung, die Zahl auf der Waage oder auf unsere Herkunft. Ihn beeindruckt nicht, wie viel wir leisten.
In demselben Buch steht, dass Gott unser Herz wichtig ist. Gottes Geist möchte uns bei dieser inneren Veränderung helfen. Veränderungen des Herzens sind nachhaltig.
Mehr als äußere Veränderung
Wir brauchen keinen „Hormonchip“ für schnelle, äußere Verbesserungen, sondern das Wirken von Gottes Geist. Er schenkt uns neue Freude, frische Kraft und gute Gewohnheiten – damit wir nicht immer wieder in alte Muster zurückfallen.
Vielleicht sind Macken gar nicht so schlimm
Und noch einmal zu Wilm: Seine Ecken und Kanten – sein temperamentvolles Schnabeln – sind vielleicht gar nicht so schlimm. Als sie fehlten, fehlte auch ein Stück Lebendigkeit im Garten.
Vielleicht sind auch manche unserer „Macken“ gar nicht so schlecht. Gott hat uns einzigartig gemacht – und oft sind es gerade diese Eigenheiten, die uns liebenswert machen.
Er hat uns nicht alle gleich geschaffen, sondern jeden irgendwie zu der besten Version seiner Schöpfung – mit Herz, Charakter und manchmal auch mit ein paar liebenswerten Macken.
Der Hormonchip bei Wilm war ein Versuch, um zu sehen, ob die Veränderung eine gewisse Zeit anhält – es war ein Irrtum. Nächstes Jahr werden wir voraussichtlich keinen weiteren Hormonchip ausprobieren. Aber es war für mich „Lehrgeld“, um mir noch einmal selbst vor Augen zu führen, auf welche Veränderungen es im Leben wirklich ankommt.
Die Tierärztin meinte, dass die „liebestolle Phase“ bei Wilm sowieso im Herbst zurückginge und er wieder ruhiger werde – bald haben wir Herbst. Für ihn und für uns gut!