17, 5 Unerreichbar für Trost - ist Gott trotzdem da?
Ein Side-Step aus dem Entenblog
Wenn die Katze sich unters Bett flüchtet – und wir das manchmal auch tun
Eine Katze unter dem Bett
Neulich stand wieder ein Tierarzttermin für unsere Katze an – der dritte in kurzer Zeit.
Zweimal hatte sie bereits Antibiotika bekommen. Heute sollte die letzte Spritze folgen.
Doch kaum hatte sie die Transportbox gesehen, war sie weg.
Schnurstracks die Treppe hoch und unters Bett.
Unerreichbar.

Schmerz hinterlässt Spuren
Beim letzten Mal hatte der Tierarzt genau dort gedrückt, wo es weh tat.
Dann kam die Spritze – das tat auch weh.
Sie hat schlimm gejault.
Für uns war das medizinisch sinnvoll, gut für die Katze.
Für sie: einfach nur schlimm.
Die Box, die helfen sollte, ist für sie zum Symbol des Schmerzes geworden.
Ihre Reaktion war logisch: Rückzug, Flucht, Selbstschutz.
Sie konnte nicht wissen, dass wir ihr helfen wollten.
Und genau das hat mich nachdenklich gemacht.
Wir fliehen auch
Es gibt Momente, die werfen uns aus der Bahn.
Wir verstehen nicht, was passiert – und schon gar nicht: 𝗪𝗔𝗥𝗨𝗠.
Ein Verlust reißt ein Loch in dich, das sich nicht füllen lässt.
Wenn der Arbeitsplatz verloren geht.
Wenn der Körper nicht mehr mitspielt.
Wenn eine Beziehung zerbricht.
Wenn der Tod seinen Platz im Leben nimmt o.a.
Der Halt wird brüchig –
und wir wollen einfach nur fliehen:
Vor der Situation, vor dem Schmerz oder der Angst, fliehen vor dem „Aushaltenmüssen“ oder fliehen aus dem eigenen Körper.
Der freie Fall
Manche Verluste fühlen sich an wie ein freier Fall.
Du weißt nicht, ob du irgendwo landen wirst.
Und genau dann kommen sie:
Die gut gemeinten Sätze.
„Das wird schon wieder.“
„Alles hat seinen Sinn.“
„Gott hat einen Plan.“
Diese Worte können Wahrheit enthalten.
Aber helfen nicht im freien Fall.
Nicht, wenn alles in dir zerbricht.
Dann klingen sie wie Hohn.
Nicht, weil sie falsch sind –
sondern, weil sie nicht zum Moment passen.
Sie übergehen den Schmerz.
Und was eigentlich trösten soll,
fühlt sich plötzlich an wie ein Schlag.
Du sitzt da, erschöpft und leer –
und bekommst Worte hingeworfen,
die nichts auffangen, sondern tiefer reißen.
Wo ist Gott?
In einem bekannten christlichen Buch steht,
dass denen, die Gott lieben, alles zum Besten dient.
Und dass uns nichts von Gottes Liebe trennen kann.
Aber was, wenn sich alles gerade ganz anders anfühlt?
Wo ist Gott da?
Wo ist die Liebe Gottes zu sehen?
𝗪𝗔𝗥𝗨𝗠 passiert das alles?
Da ist kein Platz für solche Floskeln –
auch wenn sie gut gemeint sind.
Und doch stehen diese Verse in diesem bekannten christlichen Buch.
Ob ich sie gerade glauben kann – oder nicht.

Ein ehrlicher Gedanke
Manche Lebensphasen stellen unser Weltbild auf den Kopf.
Wir wissen nicht mehr weiter.
Und es fühlt sich ungerecht an.
Warum tragen manche Menschen so viel?
Und andere scheinbar nichts?
Das lässt sich nicht erklären.
Nicht mit frommer Logik,
nicht mit spiritueller Mathematik.
Vielleicht hilft es,
wenn einfach jemand da ist,
die Situation mit-aushält.
Still. Ohne Erklärung.
Einfach nur da.
Ich weiß nicht, ob das in dunklen Momenten tröstet.
Was dir gut tut, fühlt sich für jemand anderen vielleicht falsch an.
Die Katze habe ich mit meinem „Für-sie-dasein“ vermutlich nicht getröstet.
Aber eines bleibt:
Die Hoffnung.
Dass Gott sich zeigt.
Nicht nur in Versen und Zitaten,
sondern in echter erlebter Nähe.
Dass er mir persönlich begegnet.
Und spürbar.
Dass ich nicht allein bin.

Wie unsere Katze
Ich verstehe viele Dinge im Leben nicht.
Und das wird sich auch nicht ändern.
Wie unsere Katze nicht versteht,
dass der Tierarzt und wir ihr eigentlich etwas Gutes wollen.
Genauso verstehen wir nicht,
wie etwas gut sein kann,
das sich für uns zutiefst falsch anfühlt.
In diesem bekannten christlichen Buch steht auch folgende Geschichte:
Ein Vater bittet Jesus, seinem Sohn zu helfen.
Und sagt verzweifelt:
„Ich glaube – hilf meinem Unglauben.“
Und Jesus hilft – trotz Unglauben.
Er weiß:
Glauben ist oft brüchig.
Besonders, wenn Herz und Verstand
nicht einig sind.
Ob es hilft, dass Jesus das weiß?
Ich weiß es nicht.
Aber meine Hoffnung bleibt!