16. 🦆 Müßiggang – die Enten hängen ab
Die Neuigkeit aus Entenhausen ist: Es herrscht Ruhe.
Entenruhe statt Entenrennen
Wilm gibt bei den beiden Erpeln den Ton an, Hilde trottet brav hinterher. Noch vor einer Woche – bevor Wilm seinen Hormonchip bekam, damit er nicht so sehr von seinem Fortpflanzungstrieb bestimmt ist – war er sehr agil. Er (und damit auch Hilde) kam sofort angerannt, sobald jemand aus unserer Familie im Garten auftauchte.
Wilm knabberte an uns und unseren Schuhen, rannte – mit Hilde im Schlepptau – hinter meinem Sohn und dem Fußball her. Wilm – und damit auch Hilde – liebten die Fangspiele mit meinem Sohn oder sie liefen uns einfach zwischen den Beinen herum.
Wilm war außerdem sehr schnappfreudig – ständig versuchte er, in Füße, Hosen oder Hände zu zwicken.
Vom Wirbelwind zur Ruheinsel
Bereits nach zwei Tagen hat Wilms Aktivität sehr stark abgenommen - durch den Hormonchip. Die beiden Enten sitzen viel und schauen sich das Leben um sie herum an. Einfach nur sitzen und gucken.
Entenhausen ist ruhig geworden.
Und obwohl ungewohnt, ist das irgendwie auch schön. Die Ruhe der beiden ist für mich sogar ein bisschen beneidenswert.
Entenhausen als Spiegel meiner Seele
Ich selbst fühle mich oft angespannt und innerlich getrieben: Weil ich dies noch tun muss. Und das auch. Und dann auch noch jenes und welches.
Mein innerer Antreiber lässt wenig Raum für Ruhe oder Erholung.
Aber jetzt habe ich Urlaub. Und ich frage mich: Hat diese neue Enten-Stimmung vielleicht auch etwas mit mir zu tun? Ist sie ein Augenöffner für mich?
Einfach mal – nichts tun?
Nicht ständig etwas leisten.
Nicht alles im Griff haben.
Nicht jedem inneren Antreiber folgen.
Müßiggang ist nicht gleich Faulheit
Der Müßiggang der Enten wird zu einem Bild für mich: Ruhe ist nicht Faulheit, sondern Raum für Erholung – und vielleicht für echte Begegnung – mit anderen Menschen, mit Gott oder mit mir selbst.
Maria, Marta – und die Kunst des Daseins
Es erinnert mich an die Geschichte von den Schwestern Maria und Marta, die in einem bekannten christlichen Buch erzählt wird.
Jesus ist zu Besuch. Marta sorgt sich um alles: Sie kocht, räumt auf, organisiert – schließlich muss jemand den Laden schmeißen.
Maria hingegen setzt sich einfach zu Jesus und hört ihm zu.
Marta ist genervt – und vielleicht sogar enttäuscht von ihrer Schwester, weil diese ihr bei der ganzen Arbeit überhaupt nicht geholfen hat. Verständlich.
Aber Jesus sagt: Maria hat das Richtige getan. Sie hat erkannt, was jetzt zählt: Nicht tun – sondern da sein.
Rückzug als Kraftquelle
Auch Jesus selbst hat sich immer wieder zurückgezogen: Zum Ruhen. Zum Beten. Zum Atemholen. Nicht, weil er faul war – sondern weil er wusste, dass er in der Stille eine Begegnung mit seinem Vater erleben konnte. Um neue Kraft zu schöpfen.
Wilms stille Botschaft
Wilm kam durch den Chip zur Ruhe. Ich – ganz ohne Chip – wurde durch ihn daran erinnert:
Die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich mal stillstehe.
Die Enten sind still und ruhig – und genau diese Stille spricht zu mir. Wilm, der dank seines Chips zur Ruhe gefunden hat, zeigt mir: Auch ich darf mir eine Pause erlauben. Und gleichzeitig taucht in mir das Bild von Maria und Marta auf – als würde diese alte Geschichte mir zuflüstern:
Du musst nicht immer etwas tun. Manchmal genügt es, einfach da zu sein.
Die Einladung von Entenhausen
Vielleicht ist das die Einladung, die Entenhausen mir heute mitgibt:
Du darfst loslassen.
Du darfst still sein.
Es ist okay, einfach mal nichts zu tun.
Ganz untätig bin ich allerdings dann doch nicht – ich schreibe ja schließlich gerade hochkonzentriert, aber ausgesprochen fröhlich, diesen Blog über das Müßigsein. 😄